Branchenstudie von Bronk & Company zum innovativem Supply Chain Management in der Metallindustrie – Teil 1/3

Aufgrund eines sich stark verändernden Marktumfelds, sich ändernder politischer Rahmenbedingungen, fortschreitender Digitalisierung sowie weiterer externer disruptiver Änderungen, wie z.B. der Klimawandel oder die Covid19-Pandemie, zeigt sich in der Metallbranche umfassender Handlungsbedarf für Veränderungen in der Wertschöpfungskette. Die Herausforderungen, die sich dadurch für die Supply Chain ergeben, werden im Folgenden auf Basis der gesammelten Antworten von Fach- und Führungskräften aus der Metallindustrie vorgestellt und diskutiert. Die Studie gliedert sich in die drei Bereiche:

1. Die Metallindustrie 2025 – Spotlight auf das Supply Chain Management

Schnelle und umfassende Veränderungen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette, der Kundenbedürfnisse sowie der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen fordern von den Unternehmen zunehmend flexibles und vorausschauendes Handeln. Eine Analyse der daraus folgenden Implikationen und Herausforderungen für die Metallindustrie im Allgemeinen sowie für das SCM im Speziellen liefert der erste Teil der Studie.

2. Megatrend: Nachhaltigkeit in der Metallindustrie

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung des Klimawandels in Gesellschaft und Politik, entstehen für die Industrie neue Anforderungen, wie z.B. der „European Green Deal“. Die Metallindustrie steht vor der großen Herausforderung den Ausstoß von CO2 bis 2030 drastisch zu senken und bis 2050 vollständig einzustellen. Der zweite Teil der Studie befasst sich mit den Aufgaben zur Implementierung einer nachhaltigen Produktionskette und den daraus resultierenden Herausforderungen.

3. Megatrend: Responsible Sourcing (nur Buntmetall)

Einerseits zehren internationale Konkurrenz und Überkapazitäten die Gewinnmargen immer weiter auf, andererseits erfordern höhere Auflagen und eine durchgängige Transparenz und Kontrolle über die Supply Chain zusätzliche Investitionen und führen zu höheren Herstellkosten. Es gilt künftig Business Cases zu erarbeiten, in denen Responsible Sourcing nicht nur auf der Kosten- und Aufwandsseite zum Tragen kommt, sondern einen Vorteil für das Geschäftsmodell generiert. Der dritte Teil der Studie widmet sich den Veränderungen, Risiken und Chancen, die sich aus der Implementierung einer Responsible Sourcing Strategie für die Buntmetallindustrie und deren Kunden ergeben.

1. Die Metallindustrie 2025 – Spotlight auf das Supply Chain Management

Die wirtschaftspolitischen Entwicklungen auf internationaler Ebene in Gestalt von Zöllen, Einfuhrquoten und anderen Handelshemmnissen, aber auch plötzlich auftretende Schocks für die Supply Chains, wie die Covid19-Pandemie, werden sich nach Ansicht von 73% aller Studienteilnehmer in erster Linie in Form von Kostensteigerungen materialisieren (siehe Abbildung 1).

Neben den Kosten werden nach Einschätzung von Bronk & Company (B&C) die Anforderungen auf Seiten der Kunden, insbesondere im Bereich Servicegrad und „Grüne Produktion“, steigen. So sieht auch mehr als ein Drittel der Teilnehmer einen hohen und stabilen Servicegrad als Herausforderung. Ferner empfinden fast die Hälfte aller Teilnehmer die Umstellung auf ein „grünes Produktportfolio“ als eine der wesentlichen künftigen Herausforderungen.

Zur Bewältigung der Herausforderungen sieht B&C eine fortwährende Digitalisierung weniger als Allheilmittel, sondern mehr als notwendige Grundlage, auf derer sich Prozesse und Abläufe weiterentwickeln lassen. Ähnlich sehen mehr als dreiviertel der Studienteilnehmer die konsequente Digitalisierung der Geschäftsprozesse als den vielversprechendsten Weg in die Zukunft (siehe Abbildung 2).

Neben der positiven Kostenwirkung durch Automatisierung und Entschlackung von Prozessen bietet die Digitalisierung zugleich die Möglichkeit, die Fokussierung auf den Kunden weiter in den Vordergrund zu stellen, was nach Ansicht von über 60% der Teilnehmer erforderlich ist. Um die Wettbewerbsfähigkeit auch zukünftig in volatilen Märkten, mit z.B. wechselnden Kundenanforderungen oder auch Emissionsauflagen, zu sichern, sieht die Mehrheit der Teilnehmer die Digitalisierung der Supply Chain als Schlüsselaufgabe (siehe Abbildung 3).

Eine konsequente Digitalisierung stellt Unternehmen jedoch vor große Herausforderungen. Für mehr als die Hälfte der Teilnehmer ist der Aufbau von IT-Kompetenzen in den eigenen Reihen ein entscheidender Faktor (siehe Abbildung 4). Ohne eine konsequente strategische Ausrichtung auf Digitalisierung und erhebliche Investitionsbudgets für die Entwicklung digitaler Technologien aber auch in die Fähigkeiten der Mitarbeiter, wird die Digitalisierung der Supply Chain ein langwieriges und kaum zu bewältigendes Vorhaben.

Eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie, die alle wesentlichen Unternehmensprozesse umfasst, ist zwingend erforderlich, um Schnellschüsse und nachträgliche Anpassungsaufwände bestmöglich zu vermeiden. Das sehen auch knapp die Hälfte der Teilnehmer ähnlich: Neben den reinen IT-Kompetenzen werden die notwendigen Projektkosten zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie als große Herausforderung betrachtet.

Supply Chain Resilienz durch Informationstransparenz und systematisches Risikomanagement

Zunehmende Transparenz ermöglicht es auch, das Thema Resilienz verstärkt faktenbasiert anzugehen, indem die zugrundeliegende Unsicherheit bereits vor der Entscheidungsfindung untersucht wird und proaktiv Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Unsicherheit in der Supply Chain ist ein Thema, mit dem sich alle Unternehmen kontinuierlich beschäftigen müssen. Unsicherheiten verbergen sich überall in der Supply Chain und können sowohl externer (Nachfrageschwankungen, Vormaterialversorgung, etc.) als interner Natur (Perfomance-Schwankung der Anlagen, Qualität der Produkte, etc.) sein.

Unsere Erfahrung zeigt, dass das Thema „Unsicherheit“ in der betrieblichen Praxis häufig in der Supply Chain Planung nicht ausreichend gewürdigt wird. Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Rahmen dieser Studie. So geben fast zwei Drittel aller Teilnehmer an, keinen Prozess zum systematischen Umgang mit Unsicherheit in ihrem Unternehmen respektive in der Supply Chain verankert zu haben (siehe Abbildung 5).

Vor dem Hintergrund, dass Unsicherheiten in der Supply Chain sich gegenseitig verstärken, beispielsweise durch die Kombination aus Nachfrageschwankungen und gleichzeitig auftretenden Schwankungen in der Vormaterialversorgung, ist ein leistungsfähiges SCM besonders wichtig, um systematisch Risiken und Schwachpunkte zu identifiziert, geeignete Gegenmaßnahmen zu bewerten und zu ergreifen.

Die Mehrheit der Teilnehmer dieser Studie sieht vor allem die Informationstransparenz über alle Wertschöpfungsstufen hinweg, als wesentlichen Punkt, um die Supply Chain robust aufzustellen und schnellstmöglich auf Veränderungen reagieren zu können (siehe Abbildung 6).

Hierfür ist es notwendig, vernetzter zu denken, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen und über Unternehmensgrenzen hinweg Akteure miteinander zu vernetzten. Dies verbessert die Effektivität von Risikoerfassungsprozessen im Rahmen der eigenen Planung, da mehr und „bessere“ Informationen zur Verfügung stehen.